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Symbolische Aktion PDF Drucken E-Mail

Die „Symbolische Aktion" der JOC Europe asbl, "Arbeiterjugendliche gestalten die Arbeitswelt von morgen neu!"  23.-26.11. 2006 in Passau

1. Hintergrund und Ziele der Veranstaltung

Vier Tage lang trafen sich über 100 junge Menschen aus acht europäischen Ländern in Passau, um über ihre Visionen und Vorstellungen von Zukunft, Arbeit und Leben in Europa zu diskutieren. Die Veranstaltung markierte den Höhepunkt eines dreijährigen Prozesses, während dessen viele Projekte und Aktionen auf lokaler, regionaler, nationaler und europäischer Ebene organisiert und durch­geführt wurden.

2. Programm und Ergebnisse

2.1 Der Prozess in den nationalen Bewegungen

Am Anfang der Veranstaltung wurde der dreijährige Prozess kurz in Erinnerung gerufen. Dazu bekam jede nationale Bewegung die Gelegenheit, Aktionen/ Projekte vorzustellen, die während des Prozesses stattgefunden haben. An den Vorstellungen wurde erkennbar, mit welchem Mut und welcher Tatkraft junge Menschen versuchen, Antworten auf ihre unterschiedliche Problemlage auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu finden. Durch die Vorstellung bekamen die Teilnehmer einen kleinen Einblick in die Realität des anderen und somit wurde eine Basis für Verständigung geschaffen.

2.2. Workshops

Um intensiver und effizienter diskutieren zu können wurden die Teilnehmer län­derübergreifend in vier Arbeitsgruppen aufgeteilt. Die Themen für die Workshops waren:

Image„Eine Arbeit, die uns gerecht wird" behandelte prekäre Arbeitsbedin­gungen, unter denen junge Menschen häufig leiden. Ein Bündel von Fragen über Schwarzarbeit, befristete Verträge, unzureichende Bezah­lung, Überstunden, usw. wurde ausführlich diskutiert. Demgegenüber entwic­kelten junge Menschen eine Vision von der Arbeit, die jeden jungen Menschen in seiner Ganzheit als Menschen respektiert.

Image„Eine Arbeit, die unsere Rechte respektiert" behandelte das Recht und die Würde der jungen Menschen, die in der Ausbildungs- und Arbeitswelt häufig verletzt werden. Junge Menschen diskutierten hier über die Rechte, die ihnen zustehen und berichteten von Missständen, die sie in diesem Bereich erleben: Befristete Verträge ohne Kündigungsschutz und Sozial­versicherung, Diskriminierung aufgrund des Alters und Geschlechts, Mobbing, Zwang zu ausbildungsfremden Tätigkeiten, etc. Ihre Vision von der Arbeit von Morgen ist die, in der alle Rechte der Arbeiter, so wie sie in der ILO-Charta (International Labour Organisation - Internationale Arbeitsorganisation) be­schrieben sind, eingehalten werden.

ImageEine Arbeit, um sich in die Gesellschaft einzubringen"  thematisierte die Bedeutung und den Stellenwert der Arbeit für junge Menschen. Durch die Arbeit erweben sie ihr eigenes Einkommen, können ihre Fähigkeiten entfalten und die Gesellschaft mitgestalten. Den Jugendlichen in vielen europäischen Ländern bleibt aber diese Möglichkeit verschlossen. So wurde in diesem Thema die ganze Problematik der Jugendarbeitslosigkeit diskutiert. Im Einzelnen wurden nach der Rolle der Abschlüsse, der Verwandten/Freunden und der Arbeitsämter bei der Suche nach der Arbeitsstelle gefragt. Solange die Vollbeschäftigung nicht möglich ist, fordern junge Menschen eine Grundsicherung für jeden, damit jeder die Möglichkeit hat, sich in die Gesellschaft einzubringen.

Image„Eine Ausbildung, die uns auf das Leben und die Arbeit vorberei­tet" nahm die Bildungssysteme in Europa in den Blick. In vielen Fällen wurde festgestellt, dass im Bildungssystem eine oft sehr theoretische Herangehensweise herrscht. Junge Menschen werden kaum auf die Anfor­derungen auf dem Arbeitsmarkt und im Leben vorbereitet. Folglich fordern sie, dass die Ausbildung mehr praxisorientiert sein muss. Darüber hinaus muss das Themenspektrum wesentlich ausgeweitet werden, damit andere Lebensbereiche ebenso einen Platz haben.

Gemäß unserer Bildungsmethode „Sehen-Urteilen-Handeln" verlief die Arbeit in den Workshops nach folgenden Schritten:

Kritik-Phase: Auf der Basis ihrer Erfahrungen in ihren Heimatländern benannten junge Menschen im ersten Teil (Kritik) Missstände, die sie in den verschiedenen Bereichen erleben. Ziel dieser Phase war, möglichst genau und konkret zu nen­nen, was aus ihrer Sicht in den unterschiedlichen Themenbereichen „schief" läuft. Dieser methodische Schritt war wichtig, um sich Klarheit darüber zu verschaffen, was überhaupt geändert werden müsste.

Phantasie-Phase: Im zweiten Schritt wurden junge Menschen durch kreative Methoden aufgefordert, den „Boden der grauen Realität" einstweilen zu verlassen und sich der Entwicklung ihrer Visionen und Träume zu widmen. Ziel dieser Phase war es, junge Menschen dazu zu ermöglichen, ihre eigene Vorstellung vom Leben und von der Arbeit zu buchstabieren, damit sie selbst konkret wissen, wohin der Veränderungsprozess steuern muss.

Durch Austausch mit anderen, sowie Konfrontation mit externen Experten wurden die Visionen auf ihre Umsetzbarkeit hin geprüft und entsprechend korrigiert oder angepasst. Die Visionen zeigen deutlich, dass junge Menschen ganz genau wissen, was sie wollen: Sie wollen eine Ausbildung haben, die sie auf Leben und Beruf vorbereiten; sie wollen eine gerechte Arbeit haben, um sich entfalten und in die Gesellschaft einbringen zu können und sie wollen, dass ihre Rechte auf dem Ausbildungs- und Arbeitsplatz uneingeschränkt respektiert wer­den.

Praktische Phase: Junge Menschen wissen, dass es der Mitwirkung von vielen Akteuren erfordert, um ihre Visionen von Arbeit von Morgen Realität werden zu lassen. Daher entwickelten sie konkrete Forderungen der europäischen Jugend­lichen, indem sie klar formulierten, was sie von der Politik, Wirtschaft und Gesell­schaft erwarten. Doch den Jugendlichen ist es auch klar, dass die „Arbeitswelt" zu verändern nicht nur die Aufgabe von externen Akteuren ist. Sie selbst müssen eine aktive Rolle spielen. Daher entwickelten sie Aktionspläne, in denen sie defi­nierten, was sie zukünftig in ihren Heimatländern tun werden, um einen Beitrag zur Veränderung zu leisten.

Die Ergebnisse der Kleingruppenarbeit wurden im Plenum präsentiert und noch mal von externen Experten (Karl Eichberger, IG-Metall Deutschland und José-Luis Arroyo CJE Spanien) konfrontiert. Anschließend wurde der gemeinsame, europäische Forderungskatalog diskutiert und verabschiedet.

Abschlusskundgebung in München und Ausblick

Der Abschluss der Veranstaltung bildete eine Kundgebung in der Münchener Innenstadt. Mit Transparenten, Gesängen und Tänzen stellten die Jugendlichen den zahlreichen Passanten die Ergebnisse ihrer Kampagne vor und verteilten den Forderungskatalog. Dabei ernteten sie weitgehende Zustimmung und Unterstüt­zung für ihre Positionen. Gestärkt durch die Diskussionen und den Austausch mit ihren Altersgenossen sowie die öffentliche Unterstützung kehrten die Jugend­lichen in ihre Heimat zurück. Doch die symbolische Aktion war nicht das Ende, sondern ein neuer Beginn: Denn junge Menschen wollen nun in ihren Heimat­ländern durch Kampagnen, Aktionen und Projekte für die Realisierung ihrer Vision von Arbeit und Leben von Morgen kämpfen. „Arbeiterjugendliche gestalten die Arbeitswelt von Morgen neu" bleibt somit eine fortwährende Aufgabe...

Für den Bericht
Stephen Makinya
JOC Europe asbl
 
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